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		<title>Venezuela TEIL 23</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Feb 2007 22:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine lange nicht erlebte Ruhe breitete sich in unseren Gliedern aus. In unseren ersten Tagen in dem gemütlichen Bungalow kamen wir das erste Mal seit unserer damaligen Rückkehr nach Caracas dazu, die Erlebnisse der letzten drei Wochen Revue passieren zu lassen. Es war ja in der Tat so einiges passiert, was uns die meiste Zeit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=58&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine lange nicht erlebte Ruhe breitete sich in unseren Gliedern aus. In unseren ersten Tagen in dem gemütlichen Bungalow kamen wir das erste Mal seit unserer damaligen Rückkehr nach Caracas dazu, die Erlebnisse der letzten drei Wochen Revue passieren zu lassen. Es war ja in der Tat so einiges passiert, was uns die meiste Zeit davon abhielt, Luft zu holen oder einen klaren Kopf zu bekommen. Erst erlebten wir hautnah das große Gastgeber-Aufundab zwischen Quasi-Kumpels mit gelöschter Freundschaftsfunktion aber dafür bestens ausgestatteter Rausschmeißermentalität und durchgedrehten Crackhäuptlingen, die einen zwecks selbst ausgedachter Psycho Feldversuche bei sich zu Hause einquartierten. Dann durchliefen wir die ganz normale Odyssee, die man anscheinend über sich ergehen lassen muss, wenn man sich in einem Land wie Venezuela mit einem Schiff zwischen zwei Punkten bewegen will. Einen auch sehr geräumigen Platz in unserem <span id="more-58"></span>Erfahrungsschatz nahm ebenso die gesellige Zeit in unserem ehrwürdigen Nuttenhotel Sava ein, die uns immerhin lehren konnte, dass dieser Hort der endlosen Spiegel und unter der Hand gehandelten Fahrstuhlabenteuer genau der richtige Ort sein kann, um einen handfesten Jet-Leg auszuschlafen.</p>
<p>Seit uns Jesus aus seiner Wohnung hinaus komplimentiert hatte, war uns eigentlich stets etwas Unvorhergesehenes passiert, alles war spontan und turbulent verlaufen. Eine Tatsache, die an sich nichts negatives bedeutete, aber das Mieten des Bungalows war die erste wirklich von uns gewollte und geplante Sache gewesen, seit uns der Zufall an die Hand genommen und uns durch diese kurvenreiche Zeit manövriert hatte. Angesichts dieser Tatsachen fiel auch erst jetzt die ganze Anspannung der letzten Zeit von uns ab und wir genierten uns nicht, auch mal einen ganzen Tag nur in der gänzlich unabwechslunsgreichen Calle Miragua zu verbringen. </p>
<p>Außer unserer Herberge gab es noch ein, zwei andere Anlage ähnlicher Natur und dazu am Straßeneingang eine gar feudale Apartmentansammlung, die sicher nur von den Inhabern der dicken Geldbündel bewohnt wurde. Zudem gab es in unserer Straße einen deutschen Frisör. Natürlich hätte ich lieber drei Nächte am Stück mit unserem Andenbär in seiner Höhle verbracht als mich während einer Südamerika-Abenteuerreise in die Hände eines solchen Coiffeurs zu begeben, aber nach einem Seitenblick auf Thorstens Haarpracht, überlegte ich schon kurz, ob ich ihm nicht ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk machen sollte. Neben dem Frisör gab es auch ein deutsches Lokal, die zu unserem Erstaunen tatsächlich Warsteiner vom Fass anboten. Das schlug dem selben doch glatt den Boden aus, wie wir fanden und folglich haben wir auch keinen Fuß weder in das Lokal als auch in den Frisiersalon gesetzt. Da statteten wir doch lieber dem sagenhaften Strand einen Besuch ab, der unweit unserer Behausung gelegen war und an dem wir als gehaltvollere Warsteineralternative den Batida Verkäufern ihr leckeres Gebräu direkt aus den Schläuchen wegtranken. Die Calle Miragua mündete in die Promenade, wie ich die Straße direkt am Strand der Einfachheit halber nennen möchte. Von dort hatte man unbegrenzten Zugang zum Paradies. Dieses Paradies war zwar nicht ganz so entvölkert wie unser Traumstrand in Choroní, aber dafür war er glatte zehn Kilometer lang, hatte ebenso genialen Wellengang zu bieten und war ideal dazu geeignet, um stilsicher dem Nichtstun zu fröhnen. Und damit die fröhliche Faulpelztruppe nicht als ständiger Dreier dort auflaufen musste, bekamen wir alsbald Verstärkung durch Thorstens Freundin Janine, die ebenso wie Jennie direkt aus dem winterlichen Deutschland eingeflogen kam. </p>
<p>Wir holten sie gemeinsam vom Flughafen von Porlamar ab und entdeckten sie fast sofort, denn um besser in venezolanischen Menschentrauben aufzufallen, hatte sie sich wohl kurz vor Reiseantritt ihre Dreadlocks knallrot gefärbt. Natürlich gab es ein herzliches Wiedersehen und ich hoffte für Thorsten, dass sie ihm Einlagen im Stile einer zu Stein erstarrten Dornröschendarbietung, wie Jennie sie mir vorgeführt hatte, ersparen würde. Nun konnten wir endlich in trauter Viersamkeit lachen, kochen, feiern und auch genüsslich am Strand abhängen. Ein anderer reizvoller Aspekt dieser Verdoppelung unserer Reisegruppe war der, dass ich oder auch Thorsten nun auch mal getrennt von dem anderen etwas unternehmen konnte, aber trotzdem eine nette Gesellschaft dabei hatte. Tatsächlich lag das Hauptaugenmerk unserer Tagesplanung darauf, möglichst viel mit seiner Freundin zu unternehmen, die man so lange nicht mehr gesehen hatte. Dies schloss in den meisten Fällen aber auch nicht aus, dass man sich zu markanten Zeiten wieder traf, um den Ritualen wie der Essenszubereitung inklusive der Nahrungsmittelbeschaffung oder der täglichen Strandhuldigung gemeinsam nachzugehen.  </p>
<p>Diese Phase unserer Reise war wirklich die unaufgeregteste und wir genossen jeden Tag. Am Sylvesterabend feierten wir ganz typisch an einer der zahlreichen Strandbars und ließen jedoch völlig untypisch mal kein Polarbier fließen, sondern schlemmten uns durch sämtliche Cocktails, die der Barmann schwungvoll von der Karte Gestalt annehmen ließ. Die Entspannung dieser Tage ließ auch tatsächlich Thorstens und mein Groll gegen Jesus verfliegen und wir wagten sogar einen zaghaften Anruf bei ihm in Caracas, um nachzufragen, wie es so bei ihm aussähe und ob er den Umzug gut über die Runden gebracht hätte. Man kann nicht wirklich sagen, wie er am Telefon wirkte. Auf jeden Fall kamen keine euphorischen Einladungen, mit denen wir aber auch nicht wirklich gerechnet hatten. So ganz sicher waren wie eh nicht, wie unsere weitere Zeit nach der Abreise der Mädels aussehen würde. Klar war, dass wir Ende Februar nach Deutschland zurückfliegen würden und dass Janine eben dieses am 13. Januar machen würde. Das bedeutete, dass wir dann Margarita auch wieder verlassen würden, um uns und unser völlig unliquides Budget irgendwo geldsparend zu platzieren. Wie das so zu bewerkstelligen sein sollte, konnten wir gar nicht sagen. Wir wussten nur, dass uns etwas verdammt Gutes einfallen musste, wenn wir nicht wieder bei Roberto enden wollten. Wir wussten aber auch, dass für solchen Überlegungen später auch noch Zeit blieb und wir lieber den Moment genießen wollten.</p>
<p>Eine Woche nach Sylvester war dann der Tag von Jennies Rückflug und ich brachte sie zum Flughafen. Dort bekam sie noch einmal eine nachdrückliche Paradeinszenierung venezolanischen Reisechaos als Abschiedsgeschenk vorgeführt. Während wahre Horden versuchten, an den Schaltern ihrer Wahl einzuchecken, taten die netten Herren in Camouflage und Maschinenpistole alles dafür, um den Lautsprecherdurchsagen zuwiderzuhandeln und scheuchten die aufgebrachte Menge immer an den Schalter, der gerade nicht als geöffnet durchgesagt wurde. Noch verwirrender wurde dieses eindrucksvolle Spiel dadurch, dass sich die Durchsagen minütlich änderten und man somit ziemlich schnell gar nicht mehr wusste, wohin man eigentlich sollte und in welchem Land man war. Gestählt durch meine eigenen Erfahrungen entwarf ich bald die Taktik, einfach dort stehen zu bleiben, wo man gerade war und so konnte man todsicher in regelmäßigen Abständen die Leute wiederkommen sehen, die gerade noch vor und hinter einem in der Schlange gestanden hatten. Schließlich war aber auch dieses Hindernis überwunden und das Wunder einer nicht vorhandenen Schlange vor dem Check-In Schalter war tatsächlich geschehen und so konnte Jennie begleitet von meinen traurigen Blicken hinter der Absperrung verschwinden. </p>
<p>Jetzt wo Jennie das Land wieder verlassen hatte, neigte sich unser Aufenthalt in der Calle Miragua auch dem Ende zu und wir beratschlagten über unser nächstes Domizil, da der Bungalow für eine weitere Woche mit aber nur drei Bewohnern eindeutig zu teuer war. Die Alternativen waren ja nun nicht gerade im Überfluss vorhanden und so einigten wir uns unglaublicherweise darauf, Roberto anzurufen und ihm mitzuteilen, dass wir am nächsten Tag bei ihm eintreffen würden. Dieser zeigte sich am Telefon auch hoch erfreut und versprach, uns einen fürstlichen Empfang zu bereiten. Wie dieser nun wiederum aussehen würde, wagten wir uns gar nicht vorzustellen, aber wir waren auf alles vorbereitet. Die wirklich guten Gefühle hatte ich bei dieser Sache nicht, doch machte man im Leben doch stets gerne zweimal den gleichen Fehler und ich harrte geduldig auf das Eintreffen dieser Lebensweisheit. Doch wer wusste es schon?</p>
<p>Vielleicht hatte Roberto ja auch mal Überraschungen positiver Natur zu bieten und würde sich in der folgenden Zeit als aufmerksamer, vollkommen cleaner und ausgeglichener Gastgeber präsentieren, der keine Multiple-choice Bögen auf Psychopathebasis in der Nachtischschublade aufbewahrte und der es binnen einer Woche perfekt erlernt hatte, sich vollkommen ohne fremde Hilfe von der schweren Depression in Kombination mit paranoiden Wahnvorstellungen zu heilen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür lag auf einer Stufe mit dem Unterfangen, Thorsten zum Abschied aus der Calle Miragua zu einem Frisörtermin mit anschließendem Umtrunk im Wohnzimmer der Lokalbetreiber zu überreden und so trösteten wir uns lediglich mit der Tatsache, dass wir die nächsten Tage wieder ordentlich Geld sparen konnten.</p>
<p>Am nächsten Tag trafen wir also gegen Mittag in Robertos Bungalowsiedlung ein und staksten auf alles vorbereitet durch seinen Vorgarten. Die Verandatür war verschlossen und im Haus regte sich nichts. Wir spähten durch die Fenster, konnten aber keine Bewegung im Inneren ausmachen. Wo steckte unser Mann denn dieses Mal schon wieder? Konnte er eigentlich nie zu Hause sein, wenn man sich mit ihm verabredet hatte? Oder lag er irgendwo auf der Lauer, um sich erneut über unsere überraschten Gesichter zu freuen? Wir sahen uns im Garten um und entdeckten eigentlich nichts Neues. Alles sah genauso tot und trübe aus wie bei unserem ersten Besuch. Ein kleiner Unterschied bestand lediglich darin, dass nun auch die letzten tapferen Pflanzen, die bis zum Schluss diesen hartnäckigen Kampf gegen das alles verschlingende Braun ausgefochten hatten, mit abgeknickten Köpfen im Staub lagen und so als letzte Veteranen dieser aussichtslosen Schlacht dem modrigen Sieger das Feld überließen. Der Mensch, der diese mutigen Kämpen so rücksichtslos in Särge gepackt und fahnenumhüllt zurück in den organischen Schoß der Natur geschickt hatte, war aber leider in diesem Moment nicht zugegen, um mit uns die Trauerfeier zu begehen und es sah auch nicht so aus, als ob er sich in näherer Zukunft zu uns gesellen würde. </p>
<p>Thorsten schlenderte mehr aus Langeweile als aus Interesse an Verwesung durch den Garten. Ich sah gerade wieder durch die Verandatür und versuchte den Pappaufsteller von Robertos Ex-Frau per Hypnose dazu zu bringen, mir die Tür zu öffnen, als ich aus den Augenwinkeln sah, wie Thorsten strauchelte und wild mit den Armen zu rudern begann. Er wirbelte ein kurze Weile so mit den Armen, bis ihn die Schwerkraft schließlich doch per unsanfter Polandung auf den Boden zwang. Er rappelte sich auf und krabbelte herum und untersuchte anscheinend etwas auf dem Erdboden. Dann hörte ich ihn etwas von einem Stolperdraht rufen und folgte mit dem Blick seinem ausgestreckten Finger, der auf etwas deutete, das hinter einem Baum versteckt war. Ich ging vorsichtig hin und entdeckte augenblicklich eine voll funktionstüchtige und vor allem gespannte und geladene Armbrust, die mit dem Faden, der von der Stelle herführte, an der Thorsten stand, verbunden war. Hier handelte es sich also um eine zwar etwas altmodische aber trotzdem sehr gefährliche Selbstschussanlage, über deren Existenz man sich doch schon sehr wundern durfte und von der wir ganz sicher sagen konnten, dass sie damals noch nicht dort gewesen war. Nun suchten wir sofort den ganzen Garten ab und entdeckten noch einige weitere solcher Fallen, deren ausführende Gewalt z.B. aus Messer, irgendwelchen Indianerpfeilen und sogar einer Axt bestand. Nun waren wir noch gespannter auf Robertos Rückkehr und überlegten uns schon einmal die mehr als deutlichen Worte, die wir an den hinterlistigen Fallensteller richten würden …</p>
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		<title>Venezuela TEIl 22</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Oct 2006 16:55:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Schweigen stand im Raum. Es durchdrang noch die hinterste Ecke des Wohnbereiches, in dem wir saßen und darauf warteten, dass Roberto sich wieder fangen würde. Es war ein betretendes Schweigen. Unangenehm und so beschaffen, dass man am liebsten aufspringen würde, um in einem Akt der Orientierungslosigkeit in den Garten zu rennen, um sich dort [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=57&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schweigen stand im Raum. Es durchdrang noch die hinterste Ecke des Wohnbereiches, in dem wir saßen und darauf warteten, dass Roberto sich wieder fangen würde. Es war ein betretendes Schweigen. Unangenehm und so beschaffen, dass man am liebsten aufspringen würde, um in einem Akt der Orientierungslosigkeit in den Garten zu rennen, um sich dort in der Öde der Brauntöne zu verlieren. Auch die ein oder andere aufgestellte Falle würde man in Kauf nehmen, einzig um diesen bohrenden Blick nicht mehr sehen zu müssen. Dieser sezierende Scan, der es bestimmt fertig brachte, unsere Gedanken aus unseren Hirnwindungen herauszupulen, um sie direkt in Robertos Personenprofil einzuordnen.<span id="more-57"></span><br />
Was sollten wir erwidern? Auf das Bekenntnis, dass Roberto soeben vor uns ausgebreitet hatte, konnte es keine angemessene Reaktion geben.<br />
Seine Drogensucht hatte ihn zwar innerlich verwahrlosen lassen, zumindest aber nicht soweit, dass er keines klaren Gedankens mehr fähig gewesen wäre. Schließlich hatten wir ihn in den ersten Tagen als einen pragmatischen, fröhlichen und klar strukturierten Menschen kennen gelernt. Er war der Pfadfinder gewesen. Ein Führertyp, der nicht ins Straucheln geriet, wenn es ums Improvisieren ging.<br />
Und so schien es uns demzufolge auch nicht allzu verwunderlich, dass er es durchaus vorsah, sich aus dem Sumpf der Lethargie und des Selbstmitleides zu ziehen. Nur dass er dazu fremde Hilfe benötigen würde, war ihm wohl genauso gegenwärtig.<br />
Er war auf der Suche nach guten Menschen. Nach jungen Menschen, die das Leben noch vor sich haben würden. Nach lebensbejahenden Menschen, die es sich leisten konnten, vollkommen losgelöst von Zwängen die Welt zu bereisen. Er meinte diese Menschen zu brauchen, um sich an ihnen aufzurichten, sie sollten ihm eine Stütze sein auf dem Weg durch den Tunnel der Leidenschaftslosigkeit, auf dem kargen Emportauchen.<br />
Als er uns in Caracas traf, war ihm anscheinend sofort klar gewesen, dass er in uns diese Menschen meinte, gefunden zu haben. Drei junge Deutsche, die arglos und in den Augen seiner Welt wohl auch naiv ihre Erfahrungen machten.<br />
Er forderte also von uns nicht anderes, als an ihm eine Art Therapeutenfunktion zu übernehmen. Bloß wie konnten wir das? War unser eigentliches Ziel nicht, das Land zu erkunden und damit möglichst viele positive Eindrücke zu sammeln? Wir flogen doch nicht auf einen anderen Kontinent, um fernab der Heimat in die Rolle der Heilsbringer zu schlüpfen. Roberto war es todernst. Er nahm tatsächlich an, dass wir bei ihm bleiben würden, um ihm dabei behilflich zu sein, von den zermürbenden Drogen loszukommen.<br />
Wir standen zwar nicht vor der Wahl, uns zwischen einem längeren Aufenthalt bei einem psychisch instabilen Hobbyfallensteller mit intensiver Jenseitslust oder einer durchaus vergnüglicheren Fortsetzung unserer Reise zu entscheiden, aber die Findung sensibler Formulierungen stand zwingend auf dem Programm.<br />
Natürlich war uns klar, dass wir nicht länger bei Roberto bleiben konnten. Doch konnten wir ihn seiner Situation ganz alleine weiter aussetzen? Mussten wir nicht einen Einsatz zeigen, der zumindest das zurückzahlte, was er bis da für uns getan hatte?<br />
Ein mittlerer Gewissenskonflikt bahnte sich an. Roberto hatte sich auch schon einen beachtlichen Plan ausgedacht. Dieser sah vor, dass wir eine längere Zeitspanne bei ihm wohnen sollten. Wir würden schön viele Unternehmungen zusammen machen. Wir würden darauf acht geben, dass die Wohnung in Ordnung blieb, uns um das Essen kümmern und im Gegenzug könnten wir dann weiter umsonst bei ihm unsere Zeit verbringen. Er würde uns seinen Bekannten vorstellen und mit uns die Insel erkunden. Diese Eckpfeiler seines Planes würden als Druckbuchstaben in der grauen Theorie sicherlich eine gute Figur machen. Doch das Papier, auf dem sie geschrieben standen, hatte so viele Risse, dass man den eindeutigen Vorteil, den wir bei diesem Plan haben würden, nicht mehr lesen konnte.<br />
Thorsten und mir war es eh noch sehr präsent, wie venezolanische Gastgeber den eigenen Meinungsschwankungen unterworfen waren und diesem hier wollten wir keine Gelegenheit geben, den Spaß an unserer Reise zu trüben. Bisher war noch alles in Ordnung gewesen, aber würden wir uns auf Roberto und seine Psychospiele einlassen, dann wäre es ein schlimmes Ende, welches unsere Fahrt nehmen würde, einmal ganz davon abgesehen, dass unsere Freundinnen nicht zwei Wochen für teures Geld nach Südamerika fliegen, nur um dort den Inselguru zu pflegen.<br />
Also fanden wir die richtigen Worte und zeigten im an, dass wir nicht auf seinen Plan eingehen würden. Den nächsten Tag würden wir ja eh in unseren Bungalow umziehen und dort auch bis nach Neujahr bleiben. Was danach wäre, wüsten wir noch nicht und wir schlossen es nicht aus, ihn danach noch einmal zu besuchen.<br />
Verblüffenderweise trug er diese Ansage mit Fassung und wir zogen es dieses Mal vor, uns ohne Umwege über den Kniffelbecher schlafen zu legen. Ich lag aber noch längere Zeit wach und ließ die Gedanken kreisen. Es war natürlich nie abzusehen, was einem unterwegs begegnete und welche Schicksale man kennen lernen würde, aber Robertos Geschichte war so ein typisches Konstrukt aus Schicksalsschlägen, Existenzängsten und einer beängstigenden Ich-Entäußerung, die in den meisten Fällen ihren Nährboden in der wachsenden Bedeutungslosigkeit des Einzelnen fand. Die nötige Starthilfe für so eine Karriere gaben meistens kurzweilige Drogen, die von Anfang an nicht anderes waren als Filter, die man über sein eigenes Zerrbild zu legen versuchte. Ein schlechtes Gewissen beschlich mich schon, doch war es eindeutig nicht unsere Aufgabe, uns ebenfalls in eine solche Welt zu verstricken. Wir würden für Roberto das tun, was wir konnten. Wir würden ihn nicht vergessen und ihm zum Abschluss unseres Aufenthalts auf Margarita noch einen Besuch abstatten.<br />
Am nächsten Tag standen wir sehr früh auf, um möglichst schnell zwischen uns und Roberto die gebührende Distanz zu bringen. Wir verabschiedeten uns recht sachlich, ließen uns aber trotzdem das Versprechen abringen, sich bei ihm an Sylvester zu melden und Bescheid zu sagen, wie unsere weiteren Pläne aussehen würden.<br />
Immer noch recht nachdenklicher Stimmung saßen wir im Bus und fuhren nach Playa el Agua. Die Pudeldame zeigte sich über unsere Ankunft erfreut und wir bezogen jetzt wieder besser gelaunt unseren Bungalow. Dieser war auch in der Tat dazu angetan, unsere Stimmung zu heben. Es gab zwei Schlafzimmer mit jeweils einem schön großen Bett, einen großzügigen Wohn – und Essbereich und eine Küche, in der man sich die leckersten Sachen kredenzen konnte. Zum Strand waren es schlappe 100 Meter und zu Roberto ungefähr 40 Kilometer. Wir gingen sogleich los, um den besten Laden ausfindig zu machen und wurden fündig. Dort versorgten wir uns natürlich in erster Linie mit Polarbier und horteten diverse Grundnahrungsmittel in unseren Taschen, um unseren neuen Palast mit allem auszustatten, was unser gebeutelter Magen sich so wünschte.<br />
Wir sahen also einer freudigen Zeit entgegen. Zwei Tage später würde auch Janine ankommen und Thorsten würde endlich einen willkommenen Ausgleich zu seiner Vokabelpaukerei finden.<br />
Was konnte in diesem Moment unsere Hochstimmung trüben?</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/57/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/57/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/57/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/57/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=57&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Venezuela TEIL 21</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Sep 2006 16:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Er stand im Türrahmen wie ein großer Entdecker, der soeben den größten Schatz des Hauses einer erlesenen Besucherschar zur Bewunderung freigegeben hatte. Die Begeisterung, die sich in seinen Augen spiegelte, hätte man auch ohne weiteres auf das Antlitz des routinierten Indiana Jones abpausen können, der wieder mal dabei war, den mordlustigen aber stets unfähigen Ureinwohnern [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=32&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er stand im Türrahmen wie ein großer Entdecker, der soeben den größten Schatz des Hauses einer erlesenen Besucherschar zur Bewunderung freigegeben hatte. Die Begeisterung, die sich in seinen Augen spiegelte, hätte man auch ohne weiteres auf das Antlitz des routinierten Indiana Jones abpausen können, der wieder mal dabei war, den mordlustigen aber stets unfähigen Ureinwohnern dieser Erde ihre wertvollen Schätze abzuluchsen.<br />
Konnte es wahr sein? War das, was Roberto dort in seiner Hand hielt, wirklich das, wonach es aussah? Es bestand wohl kein Zweifel. Das, was er wie eine Trophäe vor sich hertrug, war nichts anderes als ein Kniffelspiel mit Würfelbecher und vier Stiften.<br />
Verschmitzt grinsend setzte er sich wieder an den Tisch und verteilte die Blöcke.<span id="more-32"></span><br />
Auch eine Methode ein Stück der deutschen Leihheimat im Herzen zu tragen. Da holt man einfach des öfteren mal den Kniffelbecher heraus und streicht sich schön die Kleinen und Großen Straßen an. Wir sahen natürlich ein, dass so ein klassisches Kniffelspiel alleine kein Spaß machen würde und und schrieben schmunzelnd unsere Namen auf die Blätter.</p>
<p>Schon nach dem ersten Full House war die alte Begeisterung für dieses Spiel wieder da und die Würfel flogen nur so über den Tisch. Roberto zeigte dann auch, warum er getrennt von seiner Frau lebte, da der Kerl ein unverschämtes Glück hatte und einen Kniffel nach dem anderen aus dem Becher kurbelte. Glück im Spiel, Pech in der Liebe schien sein Lebensmotto zu sein, denn er nahm uns im Laufe des Abends regelrecht auseinander und mir kam beiläufig der Gedanke, dass er vielleicht der Trainer der venezolanischen Kniffelnationalmannschaft sein könnte.</p>
<p>Nachdem auch der letzte Block vollgeschrieben war, schien es für uns an der Zeit, die Schlafstätten aufzusuchen, auch aus dem Grund, weil wir ja den nächsten Tag recht früh auf Erkundungstour nach einem gemütlichen und einigermaßen preiswerten Domizil für die nächste Woche gehen wollten.<br />
Tagsdarauf klapperten wir die gesamte nördliche Ostküste der Insel ab und landeten schließlich in Playa el agua, einem ziemlich touristisch angehauchten Örtchen, welches aber genau die Art von Unterkunft für uns bereit hielt, welche wir uns vorgestellt hatten.<br />
Wir mieteten uns für eine Woche bei einer netten, älteren Dame, die Herrin über ungefähr 20 weiße Pudel war, ein und wählten ein von ihren gemütlichen Bungalows, welcher 100 DM pro Tag kosten sollte, was zwar ungewöhnlich viel für unsere ausgeleierte Reisekasse war, aber sich durch vier Personen teilen ließ.<br />
Ziemlich fußwund kehrten wir am späten Nachmittag zu Roberto zurück und stellten fest, dass der Knabe nicht zu Hause war. Wir machten das Übliche. Durch das Chaos im Wohnzimmer steigen, dem Skorpion in der Dusche einen Besuch abstatten, die neuerdings blinkende Küche bewundern oder noch ein paar verwelkte Pflanzen aus seinem Prachtgarten zu Grabe tragen. Schließlich waren alle diese Aufgaben erledigt und wir fragten uns allmählich, wo unserer pflichtgetreuer Gastgeber wohl bleiben möge.</p>
<p>Thorsten hatte sich in der Zeit schon daran gemacht, das Abendessen zu preparieren. Er war ja mittlerweile zum Meister der Arepas geworden. Ein Gericht aus Maisfladen, welche man beliebig mit verschiedenen Pasten aus Gemüse oder Fleisch belegen konnte. Während Thorsten die einzelnen Fladen lustig durch die Küche jonglierte und die einzelnen Pasten aus dem Ärmel schüttelte, hörten wir, wie die Gartenpforte sich öffnete und schauten gespannt um die Ecke. Und da kam er schließlich. Im Eilschritt durchmaß er seinen Vorgarten und warf dabei gehetzte Blicke nach hinten. Schweißnass stand er auf der Veranda und starrte uns mit verschleiertem Blick an. Ich stellte insgeheim schon die Vermutung auf, dass er sich erneut als Vorturner verdingt haben musste, aber diesmal als Konditionstrainer einer passionierten Marathonbruderschaft. Sollte es tatsächlich einen Moment geben, in dem Roberto seine Sprache verloren hatte und keinen gewitzten Kommentar mehr in seiner Sprücheschublade parat hatte? Tatsächlich schien dieser Moment jetzt gekommen zu sein und wir waren angsichts der Tatsache für kurze Zeit ebenso sprachlos. Wenig später war diese Szene vorbei und er packte sich wieder und verschwand weiterhin wortlos in seinem Schlafzimmer, um dort geräuschvoll irgenwelchen geheimen Tätigkeiten nachzugehen.</p>
<p>Thorsten, der Arepameister, ließ sich davon nicht beeindrucken und tischte uns mal wieder die lecktersten Produkte seiner Küchenkunst auf und wir riefen den säumigen Hausherren mit Nachdruck zu Tisch. Er kam schließlich um die Ecke geschlichen und setzte sich, als er die Arepa vor sich sah, mit einem wissenden Lächeln an den Tisch. Ich erwartete schon einen wissenschaftlich fundierten Monolog über die unendlichen Spiel -und Macharten von Arepas, doch der seltsame Roberto blieb weiterhin stumm und verzehrte fachmänisch sein Essen. Jennie erzählte ihm dann, was wir den Tag erreicht hatten und dass wir den nächsten Morgen nach Playa el Agua übersiedeln würden, um dort für die nächste Woche in der &#8222;residencia vacacional el agua&#8220; in der Calle Miragua einen Bungalow zu beziehen. Diese Information schien ihm dann endlich die Sprache wieder zu entlocken.</p>
<p>Er vergab für das Örtchen die Auszeichnung &#8222;besonders sehenswert&#8220; und beglückwünschte uns zu unserer Wahl. Wäre da nicht sein starrer Blick gewesen, hätte ich ihm ohne weiteres geglaubt, dass er sich für uns freute, aber es war etwas in seinem Benehmen, das mir sehr sonderbar vorkam. Er schwitze übertrieben, auch wenn es gewohnt warm war und er starrte aus schon fast unbeweglichen Augen am Tisch umher.<br />
Mein Augenbrauendreieck war schon ausfahrbereit und auch Thorsten warf einen alarmierten Blick in die Runde. Roberto warf noch ein paar allgemeine Bemerkungen über lohnenswerte Ecken der Insel in die Runde und wechselte dann übergangslos das Thema.<br />
Er fragte uns, was wir mit Psycholgie anfangen könnten und ob wir uns nicht auch öfters mal fragen würden, welchen größeren Sinn das Leben für uns bereit halten würde. Dann stellte er Jennie die Frage, für wen sie sich entscheiden würde, wenn sie mit mir und ihren Eltern in einem abstürzenden Flugzug säße und die Macht hätte, sich und zwei Personen zu retten. Ich fand die Frage in diesem Moment eigentlich ziemlich unpassend und sie konnte natürlich auf die Schnelle auch keine Antwort aus dem Hut zaubern. Was war das überhaupt für eine Frage? Wir waren jung, auf Abenteuertour durch Südamerika, hatten gerade ein leckeres Essen vertilgt, süffelten an unseren Bieren und der Neuhobbypsychologe Roberto wollte uns mit grundsätzlichen Charakteranalysen zu Leibe rücken.<br />
So eine Frage würde man nie beantworten, vor allem nicht vor einem zur Salzsäule erstarrten Unheimlichen, bei dem sich nur noch der Mund und die Augen bewegten und der mittlerweile einen so starren Blick hatte, dass sich an den Stellen, die er anvisierte, faustdicke Brandlöcher bildeten. Jennie war auch etwas verunsichert und überlegte wohl, ob er diese Frage ernst gemeint hatte oder ob er sie sogleich mit seinem verschmitzten Lächeln als warm-up joke für eine weitere Kniffelrunde entlarven würde.<br />
Als keine befriedigende Reaktion auf seine Kamikazefrage kam, machte er ein betroffenes Gesicht und eröffnete uns im Plauderton, dass es vielleicht ziemlich komisch klingen würde, aber er hatte gerade eine Ladung Crack eingenommen und sein momentaner Zustand sei die typische Folge, wenn er sich mit dem Teufelszeug vereinigen würde.<br />
Mir fielen fast die Ohren vom Kopf. Hatte der Typ gerade in einem harmlosen Nebensatz verkündet, dass er sich eine nicht gerade gesunde Droge zugeführt hatte und sich uns nun in dem folgenden Rauschzustand präsentierte? Wir verhörten ihn, ob das sein Ernst gewesen wäre und er erklärte, dass er sich seit längerer Zeit in regelmäßig wiederkehrenden Phasen den ein oder anderen Würfel einschmeißen würde, um auf andere Gedanken zu kommen. Und ohne Aufforderung skizzierte er uns den Abgrund, vor dem er stand und den er nicht überbrücken konnte, aber den er vermittels der Droge zu verschleiern versuchte.<br />
Nach seinem Maschinenbaustudium in Deutschland war er wieder nach Venezuela zurückgekehrt und hatte dort beharrlich auf sein persönliches, berufliches burn-out hingearbeitet. Nachdem ihm sein alter Beruf nichts mehr sagte, hatte er sich komplett umorientiert und bei der Tui als Fremdenführer angeheuert. Dort schien er wieder neuen Antrieb gefunden zu haben, bis an einem unglücklichen Tag die Teilnehmerin einer Reisegruppe bei einer Bergwanderung einen tödlichen Unfall erlitt. Die Frau kam auf einer Bergroute, die nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad aufwies, vor einem Abgrund ins Straucheln und Roberto, der zwar direkt hinter ihr ging, musste dennoch machtlos mitansehen, wie das Unfallopfer den Abgrund hinunterfiel und viele Meter weiter unten reglos liegen blieb. Natürlich war die Frau sofort tot und Roberto gab sich, wie es so typisch ist in solchen Fällen, die Schuld an dem Ableben der Frau. Er als verantwortlicher Führer dieser Gruppe war natürlich für die Sicherheitsanweisungen zuständig, aber diese Wanderung war normalerweise immer ohne größere Schwierigkeiten abgelaufen und natürlich konnte man ihm wegen des Leichtsinns eines einzelnen nicht die Schuld geben. Dies alles zählte aber in diesen Momenten nicht und so entsprach die Reisegesellschaft seinem Wunsch einer Kündigung und er verbrachte eine lange und mutlose Zeit, in der auch mitansehen musste, wie seine Ehe den Bach herunterging und die Welt ihm fremd wurde. Seine Frau hatte ihn schon lange verlassen und als ultimativen Akt der Selbstgeißelung stand in seinem Wohnzimmer ein lebensgroßer Pappaufsteller eben dieser Ex-Frau, die in Venezuela eine zweifelsohne angesehene Rolle als Werbefrau für irgendein Waschmittel spielte. Das war ein weiterer Fingerzeig für Robertos verdrehten Sinn vom heimeligen Wohnen und während uns die &#8222;Regina&#8220; Werbefrau aus der hinteren Ecke des Zimmers angrinste, beschlichen uns mulmige Gefühle, was nun noch kommen sollte, denn Roberto holte bereits wieder tief Luft, um uns weitere Bereiche seines Gefühllebens offenzulegen. Die nun folgenden Bekenntnisse ließen uns frösteln&#8230;</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/32/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/32/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/32/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/32/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=32&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Achtung flach V</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Sep 2006 14:48:50 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Erst ma nen Flachen]]></category>

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		<description><![CDATA[Und weil der so geil beschissen ist, der noch: - herr doktor, mit meiner spirale stimmt was nicht! - na, dann kommen sie mal her! BOING BOING<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=55&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und weil der so geil beschissen ist, der noch:</p>
<p>- herr doktor, mit meiner spirale stimmt was nicht!<br />
- na, dann kommen sie mal her!</p>
<p>BOING BOING</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/55/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/55/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/55/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/55/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=55&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Achtung flach IV</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Sep 2006 14:38:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erst ma nen Flachen]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist schwarz und steht in ner Blumenvase? Ein Strauß Luftpumpen.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=54&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist schwarz und steht in ner Blumenvase?<span id="more-54"></span></p>
<p>Ein Strauß Luftpumpen.</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/54/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/54/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/54/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/54/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=54&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Was heute Nacht geschah</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Sep 2006 19:12:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Seemannsgarn]]></category>

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		<description><![CDATA[Tim Borowski, seines Zeichens deutscher Fußballnationalspieler, hatte es sich in den Kopf gesetzt bei mir zu Hause im Keller eine dicke Party zu feiern. Unlogischerweise sollte die Party in dem Haus in Bad Schwartau steigen, in dem ich seit sieben jahre nicht mehr wohne und welches auch über einen einzigen und sehr kleinen Kellerraum verfügte. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=53&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tim Borowski, seines Zeichens deutscher Fußballnationalspieler, hatte es sich in den Kopf gesetzt bei mir zu Hause im Keller eine dicke Party zu feiern. Unlogischerweise sollte die Party in dem Haus in Bad Schwartau steigen, in dem ich seit sieben jahre nicht mehr wohne und welches auch über einen einzigen und sehr kleinen Kellerraum verfügte. Das hatte aber keine abschreckende Wirkung auf den guten Tim und so wurden über 100 Gäste geladen. Praktischweise rekrutierten sich die meisten davon aus meinen alten Schulkameraden und so hielten bald die ersten Busse und entließen gut gelaunte Partygäste, die sich bazend und saufend in den keller zu quetschen begannen. Tim hatte mir erlaubt auch vier, fünf eigene Leute einzuladen, aber da unter seinen Gästen eh schon alle meine Kumpels waren, brauchte ich keine Extra-Einladungen zu verschicken.<span id="more-53"></span></p>
<p>Ich verbachte die meiste Zeit der Party in der Küche oder in meinem Zimmer, was totaler Quatsch war, weil einmal das Zimmer gar nicht mehr mein Zimmer war, sondern mittlerweile von einem 14jährigen Jungen, den ich nicht kannte, bewohnt wurde und zum anderen ich eigentlich richtig Bock auf die Party hatte. Schließlich schlich ich doch in den Keller und legte mich auf den Stapel der Gäste und zündete mir einen dicken Jolly an und rauchte den in 4 Sekunden weg und war danach ordentlich abgedichtet. Unglücklicherweise befand sich direkt neben dem Kellerraum das Stadion vom SSC Neapel und dieses war von dem Raum nur durch einen kleinen Zaun getrennt. Nun machten die Tifosi einen solchen Radau, dass der Zaun kaputt ging und sich die Massen der Fußballfans in den eh schon gut gefüllten Kellerraum ergossen. Dabei kam es zu unschönen Menschenzerquetschungsszenen und die Hälfte der Partygäste kam ums Leben. Ich räumte gerade leere Bierflaschen in das Plattencase von einem berühmten, internationalen Star-DJ und ließ den Kriminalkommissar die Ermittlung leiten, der just in diesem Moment den Keller betrat.</p>
<p>Die meisten der Gäste waren jetzt also gegangen oder tot und mir fiel zum Glück noch rechtzeitig ein, dass ich da ja gar nicht mehr wohnte und machte mich aus dem Staub, um draußen auf der Straße in einen hitziges Fußballspiel zwischen den trauernden Eltern der vestorben Partygäste zu stolpern. In diesem Moment fragte ich mich, wo Tim Borowski die ganze Zeit über gesteckt hatte. Der war nämlich während der Party überhaupt nicht anwesend gewesen. Immer noch gut verwirrt wachte ich auf und beschloss zukünftig, besser aufzupassen, wenn Nationalspieler bei mir eine Party feiern wollen.</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/53/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/53/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/53/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/53/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=53&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Venezuela TEIl 20 (Jubiläum)</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Jul 2006 19:24:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen. In unserem Fall begrüßte ich natürlich das Auftreten unseres Buswunders noch am selben Tag. Und tatsächlich waren wir diesmal im Glück, denn wir brauchten nur ein paar Schritte zu gehen und schon stand ein Bus bereit, in dem sogar noch viele Plätze frei waren [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=52&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen. In unserem Fall begrüßte ich natürlich das Auftreten unseres Buswunders noch am selben Tag. Und tatsächlich waren wir diesmal im Glück, denn wir brauchten nur ein paar Schritte zu gehen und schon stand ein Bus bereit, in dem sogar noch viele Plätze frei waren und der zudem noch recht preisgünstig war. Am Steuer saß zwar nicht Katja Ebstein, aber der etwas rundliche Schnauzbartträger war mir in diesem Moment ebenso lieb, weil er sein Gefährt auch umgehend in Bewegung brachte und die Hauptstadt der Insel ansteuerte.</p>
<p><span id="more-52"></span></p>
<p>Porlamar lag im Osten der Insel und hatte schon dieses touristische Äußere, das man sofort an Städten erkennt, die über einen stadtnahen Strand und einige interessante Geschäfte verfügen. Der Bus ließ uns an einem Punkt heraus, von dem wir einen weiteren Bus besteigen konnten, der uns zum Inneren der Insel zu Robertos Haus bringen sollte. Hierfür visierten wir einen Van an und quetschten uns und unsere Rucksäcke irgendwie an den zwei dicken Frauen vorbei, die gekonnt den Einstieg versperrten. Der Van war einer von denen, die die ganze Zeit über die Insel flitzten und für wenig Geld eine Handvoll Insassen mitnehmen konnten.</p>
<p>Das Nahverkehrsnetz ist in einem Land wie Venezuela etwas anders geregelt als in Deutschland. Eine städtische Verkehrsgesellschaft oder zumindest ein bezuschusster, privater Nahverkehr existiert dort nicht. Vielmehr gibt es in den meisten Städten mehrere private Anbieter, die sich oftmals auch zusammenschließen. Diese Anbieter fahren mit ihrem eigenen Bus oder Van. Das Ganze funktioniert eher wie ein Taxi, da die Wagen den Fahrern selbst gehören und sie nicht bei einer größeren Verkehrsgesellschaft angestellt sind. So läuft das in den meisten größeren Städten auch. Nur in Caracas gibt es noch den Metrobus, der von der CAMETRO betrieben wird, die auch Betreiber der U-Bahn sind.<br />
So hatte also jeder Fahrer sein eigenes Reich, in dem er machen konnte, was er wollte. Folglich gab es auf der Insel Margarita auch keine geregelten Fahrpläne, Haltestellen oder feste Fahrpreise. Wie wir ja schon seit längerem wussten, dienten besonders markante Ecken als Einstiegspunkte und aussteigen konnte man eigentlich, wann und wo man wollte. Hierfür bedeutete man dem Fahrer mit einem markig gerufenen &#8222;PARA!&#8220;, dass er anhalten sollte, und er ließ einen dann an Ort und Stelle heraus.<br />
Roberto fand es nach ziemlich kurzer Fahrt für angebracht, sein elegant dahingeschmettertes &#8222;PARA!&#8220; verlauten zu lassen und der Van spuckte uns an einer staubigen Straßenecke aus. Wir kratzten uns ratlos die Köpfe, während die mittlerweile zum einem voll automatisierten Vorschlaghammer aufgerüstete Erinnerungsfunktion in meinem Magen weiter beharrlich darauf hinwies, dass mein Magen dabei war, sich zu einer schrumpeligen Rosine zusammenzuziehen. Ich erinnerte Roberto auch sofort an seine wunderbare Fabel vom besten Imbiss der Insel und er schwenkte als Antwort seinen Arm zeigend zu einer windschiefen Bretterbude, die mir noch gar nicht aufgefallen war. Ungläubig vernahmen wir, dass hier die beste Empanada der Insel zubereitet würde und ich tröstete mich mit der Aussicht, dass hier sicher ein ehemaliger Sternekoch, der sich müde und abgeschlafft von den Edellokalen der Welt abgewandt hatte, das Regiment führte und dass diese Tatsache auch nur den gewieftesten Inselfüchsen, wie Roberto einer war, bekannt war. Auf diese Annahme führte ich auch den mitnichten vorhandenen Kundenansturm und den schnarchenden Budenbesitzer, der auf Robertos Klopfzeichen hochschreckte, zurück.<br />
Es gab dort tatsächlich Empanadas und es gab sie auch mit den verschiedensten Füllungen. Ich wollte mir gerade genüsslich eine mit Hühnchen gefüllte Version bestellen und Jennie die ebenfalls bestimmt ganz leckere Käsevariante empfehlen, als Roberto auch schon dazwischentrompete und laut verkündete, dass wir unbedingt die Empanada mit Zunge zu kosten hätten. Es war wirklich widerlich. Wir machten zwar ein liebes Gesicht, dass gar nicht zu dem Inhalt der Empanada passen wollte, welcher sich da ekelig glibbernd auf unserer Zunge wand, aber innerlich zweifelte ich an der Essbarkeit von Robertos Leibspeise. Da wurde der Biss in eine Empanada zu einem waschechten Zungenkuss und ich hätte diese Unappetitlichkeit gerne dem feixenden Sternekoch in die Auslage gerotzt.<br />
So kam es leider nicht zu einer vernünftigen Stillung meines Hungers, denn ich nahm dann doch höflich Abstand vom Erwerb einer zweiten Empanada. Ich hatte den Verdacht, dass Thorsten diese Scheußlichkeit sogar noch geschmeckt hatte. Aber wundern sollte mich das eigentlich nicht, denn er hatte ja auf der Cayo Sombrero dem fangfrischen Fisch auch mit Vergnügen die Augen zerbissen.<br />
Roberto meinte, dass es ein Vergnügen wäre, die letzten Meter zu seinem Haus zu Fuß zurückzulegen und so schulterten wir einmal mehr unsere Rucksäcke und sagten dem Giftmischer mit seiner ausgestreckten Zunge auf Nimmerwiedersehen.<br />
Dass aus den letzten Metern dann tatsächlich mehrere Kilometer wurden, nahm ich nicht mehr wirklich wahr, denn ich schleppte mich aufgrund meiner Müdigkeit nur noch dahin und freute mich auf eine erfrischende Dusche und vielleicht auch ein kleines Nickerchen in Robertos Palast.<br />
Schließlich tauchte eine Siedlung am Wegesrand auf, die mit einem Gittertor gesichert war. Roberto öffnete dieses und wir betraten seine Wohngegend, die in meinen Augen den ersten Preis für die gelungenste Comptonimitation verdient gehabt hätte. Wir rätselten schon, wo sich zwischen den einfachen Bungalows wohl der herrschaftliche Prunkbau verstecken würde, der in Robertos Schilderungen so eine zentrale Rolle eingenommen hatte, als er die Pforte zu einem Haus öffnete, das sich in keinster Weise von den anderen abhob. Unsere Ansprüche waren und durften natürlich nicht hoch sein, denn wer ohne das große Geld als Traveller unterwegs war, der sollte seine Anforderungen an die Unterkünfte doch deutlich zurückschrauben. Wer dann noch von einem doch eigentlich Fremden eingeladen wurde, bei ihm kurzzeitig zu wohnen, der sollte im Grunde dankbar für alles sein. Doch nach den Lobpreisungen und Selbstbeweihräucherungen seitens unseres Mr. Alles hatten wir dann doch etwas anderes erwartet. Der Garten, der noch vor kurzem als Oase der überbordenen Farben und Gerüche beschrieben worden war, entpuppte sich als Hort der Ödness, in der grausame Monsterstachelpflanzen den wenigen grünen Flecken zu Leibe rückten, die sich in diesem aussichtslosen Kampf noch hatten behaupten können. Wo in den benachbarten Gärten noch hübsche Blumen zu sehen waren, herrschte in Robertos Garten das Einheitsbraun vor. Hier lebte nichts mehr wirklich, denn der kümmerliche Rest an organischer Masse stand bereits kurz vor der nächsten Verwesungsstufe. Es hätte wohl nicht mehr lange gedauert und Roberto hätte mit seinem als Garten getarnten Ascheplatz der Atacama Wüste Konkurrenz machen können. Unsere entgleisten Gesichtszüge konnten ihn aber nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Nun nahmen wir natürlich an, dass uns nach dem verfallenen Garten im Inneren seiner Behausung ein strahlender Kontrast entgegenspringen würde, weil der gute Herr sicherlich seine ganzen gesparten Energien, die nicht bei der Gartenpflege draufgingen, vollständig in die Behaglichkeit seines Hauses gesteckt hatte. Aber da hatten wir wieder so weit gefehlt, wie damals in der Schule, als wir im Schichtdienst sämtliche internen Schwänzrekorde zum Wackeln brachten. Es war muffig und unordentlich. Die Fensterläden waren alle zu, der Boden war übersät mit Klamotten und anderem Zeug. In seiner Küche stand der Turmbau zu Babel kurz vor dem Abschluss oder Umsturz. Der Gasherd leuchtete in schilldernden, grünen Farben und das getürmte Geschirr hatte wegen der notwendigen Mimikri denselben Farbton angenommen.<br />
Ich musste wirklich kurz lachen. Da hatte der Schlaumeier uns die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Vielleicht war das ja eine Masche von ihm. Arglose Traveller zu sich einzuladen, ihnen die schönsten Geschichten zu erzählen, um sich dann anschließend an deren fassungslosen Gesichtern zu laben. Doch wir wollten ihm jetzt nicht zu offensichtlich die volle Breitseite geben und hatten ja letztendlich auch keinen Grund dazu, schließlich stand seine Einladung ja noch immer und sein Haus bot uns schließlich Schlafplätze, eine Dusche, eine Küche, in der man zwar erst einmal kräftig entkrusten musste, aber es gab sie immerhin und einen Gastgeber, der uns bis hierher ein guter Kumpel gewesen war.<br />
Also schlugen wir ein und machten es uns gemütlich.</p>
<p>Während ich Jennies und meine Sachen in das Gästezimmer brachte, hatte sie sich sogleich ins Badezimmer begeben, um sich eine Duschpause zu gönnen. Ich packte gerade ein paar Sachen aus und freute mich darüber, dass wir beide sogar ein eigenes Zimmer zugewiesen bekommen hatten, als mir ein spitzer Schrei aus dem Badezimmer verkündete, dass dort die nächste Überraschung lauern musste. Ich stürzte durch den Gang und erreichte die Tür zum Badezimmer gerade, als ein erneuter Hilferuf erklang. Ich sprang, ohne zu klopfen, in den Raum und starrte auf eine genervte Jennie, die sich eilig aus der Duschkabine entfernt hatte.<br />
Ich untersuchte das Becken, um den Grund ihres Betragens zu erfahren und entdeckte fast sofort den netten Skorpion, der sich dort breit gemacht hatte und nicht daran dachte, den Duschgästen den Vortritt zu lassen. Ich wollte das Tier nicht gleich herunterspülen, schließlich hätte es sich ja auch um Robertos verirrtes Lieblingshaustier handeln können, sondern riet Jennie einfach zu einer Katzenwäsche am Waschbecken und suchte den Hausherren auf. Roberto schien es eher lustig zu finden und verwies darauf, dass das Duschen eh nicht lange möglich wäre, da er vor seiner Abfahrt nach Caracas ganz vergessen hatte, seine Wasserzisterne auf dem Dach wieder auffüllen zu lassen. Ich sah ebenfalls ein, dass das Duschen mit einem kleinen Rinnsal keinen Spaß machen würde und so erledigte sich dieses Problem ganz von selbst.<br />
Thorsten hatte sich schon längst auf der Couch im Wohnzimmer ausgestreckt und führte ein nett anzuhörendes Schnarchkonzert auf und so legten wir uns auch hin und schliefen bis um frühen Abend durch.<br />
Dann ging es allerdings darum, endlich mal wieder etwas vernünftiges zu Essen auf den Tisch zu zaubern. Nachdem Thorsten und ich nach einem heldenhaften Sondereinsatz das Geschirr wieder identifizierbar gemacht und die Benutzbarkeit der Küche wieder hergestellt hatten, versprachen wir Roberto, das Nötige einzukaufen und unsere Spezialpasta zuzubereiten. Er erklärte sich damit einverstanden und verschwand auch, weil er noch was wichtiges von einem Bekannten abzuholen hatte. Wir fanden ganz in der Nähe einen Laden für alles und deckten uns mit allem ein, was wir für den Abend brauchten.<br />
Als wir wiederkamen, war Roberto auch schon wieder zurück und hatte es dann doch geschafft, etwas Ordnung in seine Wohnung zu bringen. Wir konnten insgesamt mit unserer Situation zufrieden sein. Wir machten mit Roberto aus, dass wir die nächsten zwei, drei Tage bei ihm wohnen würden und uns in der Zeit schon mal nach einer anderen Unterkuft umsehen wollten, da dann Thorstens Freundin Janine ebenfalls eintreffen würde. Dann wollten wir uns zu viert eine hübsche Herberge mieten und anschließend, wenn Jennie wieder zurückgeflogen war und wir somit wieder zu dritt sein würden, wieder bei ihm einkehren. Er stimmte diesem Vorschlag freudig zu und entwarf auch schon große Pläne für den Sylvesterabend, den er auch gerne mit uns feiern wollte.<br />
Unsere Pasta schmeckte wieder vorzüglich und Roberto erzählte uns von seiner Zeit in Deutschland. Schließlich kam es zu der Frage, warum er nicht mehr als Reiseleiter arbeitete und sofort verdunkelte sich sein Gesicht und er warf nervöse Blicke in die Runde. Sein sonst so zwinkernder Gesichtsausdruck wich einer starren Maske, die durchaus dazu angetan war, das Schlimmste zu vermuten. Wir warteten gespannt, was er sagen würde, aber anstatt zu antworten, sprang er auf und verließ fluchtartig den Raum. Was hatte dies zu bedeuten? Wir hörten ihn in seinem Schlafzimmer rumoren und schon kam er auch zurück und hielt in seinen Händen das Unwahrscheinlichste, was man in einem heruntergekommenden Bungalow in diesem Minighetto wohl finden konnte&#8230;</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/52/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/52/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/52/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=52&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Venezuela TEIL 19</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jul 2006 17:03:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Roberto war der geborene Entertainer. Er zeichnete sich nicht nur als gewitzter Pfadfinder aus, der unerschrocken jeder Widrigkeit der venezolanischen Fahrkartenschalterbürokratie trotzte, sondern gebot auch über ein gigantisches Repertoire an Flachwitzen, Lebensweisheiten und guten Sprüchen für den richtigen Moment. Zudem war er ja gestählter Fremdenführer gewesen und konnte natürlich nicht umhin, uns hier und da [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=51&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roberto war der geborene Entertainer. Er zeichnete sich nicht nur als gewitzter Pfadfinder aus, der unerschrocken jeder Widrigkeit der venezolanischen Fahrkartenschalterbürokratie trotzte, sondern gebot auch über ein gigantisches Repertoire an Flachwitzen, Lebensweisheiten und guten Sprüchen für den richtigen Moment. Zudem war er ja gestählter Fremdenführer gewesen und konnte natürlich nicht umhin, uns hier und da besonders markante Flecken während unserer Passage gen Puerto de la Cruz näherzubringen.<br />
Jennie und ich hatten das Freilos, als Paar zu reisen und somit stets einen guten Zweiersitz für uns alleine, während Thorsten als Noch-Single den Posten des geduldigen Zuhörers neben unserem neuen Mannschaftskapitän einehmen durfte.</p>
<p><span id="more-51"></span><br />
Die Fahrt war entspannend und Jennies aus Deutschland mitgebrachter Walkman, in den ich sogleich meine durchgenudelten Tapes voll deutscher Rapmusik stopfte, versüßte mir die Entkrampfungsphase nach unserer neuerlichen Bahnhofstortur.<br />
Der Bus donnerte recht humorlos mit nur einer Unterbrechung über den Asphalt und so kamen wir in der Abenddämmerung am Fährhafen von Puerto de la Cruz an. Kaum hatte der Fahrer den Zündschlüssel umgedreht, sprangen auch schon alle Fahrgäste auf und es verbreitete sich eine ärgerliche Hektik, in der jeder versuchte, sich als erster durch den Ausstieg zu quetschen und sich den Sprintpokal für das schnellste Koffer-aus-dem-Stauraum-Zerren zu verdienen. Meine rechte Augebraue, die zu solchen Gelegenheiten immer das gern gesehene Dreieck der Missbilligung bildete, wollte schon wieder routinemäßig das sogenannte Warndreieck aufstellen, aber Roberto bedeutete uns mit der Miene eines Geheimagenten, uns umstandslos ebenfalls in dieses Getümmel zu werfen. Nachdem wir feststellten, dass in dem lustigen Royal Rumble um das eigene Gepäck auch gerne Ellbogenstöße und versteckte Knieattacken eingesetzt wurden, fielen bei uns alle Hemmungen und wir zogen in einem beherzt vorgetragenen Manöver unsere Rucksäcke aus den Klappen.<br />
Viel Zeit zum Luft holen blieb uns allerdings nicht, denn Roberto peitschte uns weiter an. Nachdem die Meute den Bus geleert hatte, wogte das Heer wild gewordener Kofferathleten auch schon zum Terminal der Fährgesellschaft und auch dabei waren gesittetes Gehen und Diskretion eher untergeordnete Tugenden. Bevor wir auch nur eine kleine Frage bezüglich dieser Fahrgastolympiade an unseren schlitzohrigen Trainerfuchs stellen konnten, hatte sich dieser schon eine beachtliche Schneise durch die Masse erarbeitet und pflügte mit der Urgewalt eines Brontosaurus dem Kartenschalter entgegen und machte dabei einen mindest ebenso langen Hals wie sein fossiles Vorbild, um sich zu vergewissern, dass wir auch mit seinem Tempo schritthalten konnten. Als unsere rasante Gangart langsam ins Stocken kam, blieb uns auch endlich die Zeit, zu erkennen, warum dieser Husarenritt so notwendig gewesen war und wie unsere Situation ausgesehen hätte, wenn wir wie falkenhaynsche Zauderer mit falscher Vorsicht vorgegangen wären.</p>
<p>Es schien nämlich so zu sein, dass nur eine einzige Fähre pro Tag den Weg nach Margarita machte und diese Fähre wohl auch nicht über die Kapazitäten verfügte, um dem Kundenansturm Herr zu werden. Somit war die Rechnung, wie man an sein Ticket gelangen konnte, auf das Wesentliche reduziert: Die Schnellsten und Stärksten bekamen die besten Plätze und der schwache Rest durfte sich deprimiert seine Nasen draußen an der Glasscheibe plattdrücken. Doch zum Glück war unser Held Roberto das beste Beispiel für die darwinsche Deszendenztheorie, da er sich durch eine unerschütterliche Routine bestens an die chaotischen Verhältnisse seiner venezolanischen Bus-Bahn -und Schiffumwelt angepasst hatte. Wenig später hatte er tatsächlich vier Karten in der Hand und schwenkte sie so freudestrahlend in der Luft, als habe er eine Überfahrt auf der Beagle selbst klargemacht.<br />
Thorsten und ich wussten, dass wir ohne seine Hilfe mal wieder an dieser Hürde gescheitert wären und waren immer froher, diesen Superhelden bei uns zu haben.<br />
Dass wir nun zu dem erlauchten Kreis derer gehörten, die sich ziemlich schnell die Karten für die Überfahrt besorgen konnten, bedeutete leider nicht, dass es auch sofort losgehen konnte. Natürlich waren noch viele Fahrgäste hinter uns und hinter denen standen noch mehr in einer sich windenden und tobenden Schlange. Wir gingen wieder heraus und betteten uns auf unsere Rucksäcke und gönnten uns eine wohlverdiente Zigarette.</p>
<p>Roberto erzählte uns von seinem Haus und von seinem schönen Garten. Er meinte, dass die Überfahrt immer wieder ein Abenteuer sei und dass sich die Einheimischen jedesmal fast häuslich auf der Fähre einrichten würden. Dass die Venezolaner eh fast nie alleine reisten, sondern gerne im familiären Pulk auftraten, hatten wir ja schon früh mitbekommen. Und dass dann auch der halbe Hausstand zum Reisegepäck gehörte, war uns ebenfalls bekannt. Robertos Auftritt als Einzekämpfer veranlasste uns schließlich zu der Frage nach seinem Familienstand. Er gestand uns, dass er momentan in Trennung von seiner Frau lebe, die Schauspielerin sei und dass er auch keine Kinder habe und deshalb ein glückliches Junggesellenleben in seinen fürstlichen Gemächern auf der schönsten Insel der Welt führe.<br />
Nachdem er noch etliche kluge Weisen auf seiner Mundharmonika der Lebenserfahrung gespielt hatte und wir somit von Minute zu Minute erhellter und bereiter für das Wandeln in der endlosen, unwegsamen Steppe, die er das Leben nannte, wurden, legte sich auch der Tumult am Terminal und diejenigen, die das Pech hatten, aufgrund ihrer mangelnden Cleverness oder sonstiger Handicaps wie zu kurze Beine, zu dicke Bäuche oder zu runde Ellenbogen, keinen Termin am Schalter erhalten zu haben, mussten nun bis zum nächsten Tag warten, um es erneut zu versuchen. Die Schalter fuhren auf jeden Fall erbarmungslos ihre Rollläden herunter und wir machten uns bereit, den Sturm auf die Fähre in Angriff zu nehmen.</p>
<p>Das Gate war zwar noch nicht geöffnet, aber wir stellten uns in gewohnter, deutscher Tradition schon mal an. Wie lächerlich dies nun war, habe ich viele Jahre später längst begriffen und heute weiß ich, dass man nicht gleich beim kleinsten Zucken am Abfertigungschalter zu denen gehören muss, die wild aufspringen, um ihre vier Buchstaben möglichst günstig in der Schlange zu platzieren. Besonders schwachsinnig erscheint mir dies immer wieder an Flughäfen, wo eh jeder einen festen Platz hat und man sich deswegen nicht unbedingt schon eine Stunde vorher anstellen muss. Doch nach den rüden Szenen zuvor, in denen wir eine so glänzende Rolle gespielt hatten, waren wir sozusagen etwas verschreckt und wollten dem Gerempel dieses Mal möglichst entkommen.<br />
Doch ich erwähnte ja bereits das Prädikat &#8222;lächerlich&#8220; für dieses unser Verhalten. Wir standen da nämlich wie bestellt aber nicht durchgewunken am geschlossenen Gate und kein Angestellter der Fährgesellschaft sah es ein, dort aufzukreuzen und uns zur längst vor Anker liegenden Fähre durchzulassen. Es geschah nichts. Die Schlange der Wartenden wurde länger und länger und bildete schon wieder ihre charakteristischen Kurven und wir waren die Speerspitze der Alleingelassenen, mit Clownsnase und Narrenkappe.<br />
Diese Situation wirkte sich so unangenehm in unseren Bäuchen und Köpfen aus, dass der Begriff &#8222;déja vu&#8220; längst nicht mehr ausreichte, um diesen Superlativ des Bewusstwerdens, des Einsehens, der Erkenntnis, wieder einmal Opfer einer offensichtlichen Willkür des Beförderungspersonals geworden zu sein, zu beschreiben. Es war viel mehr das schon 100 mal gesehene, durchlebte, erlittene, irgendwann als normal empfundene aber immer noch nervende Erlebnis der abgestumpften Teilnahmslosigkeit. Das ungläubig vor sich hinstarrende Gesicht fest auf das verwaiste Gate gerichtet, wollte man am liebsten laut loschreien. Man wollte denen, die einen so grausam ausharren ließen und den glühenden Dolch derr Passivität noch fünf Mal im wunden Wartefleisch drehten, zurufen, dass doch alles bereit sei und dass es doch keinen Grund gebe, noch länger zu warten. Doch verstiegen wir uns nicht zu solch einer Verzweiflungstat, sondern sanken alsbald ziemlich trübe wieder auf unsere Rucksäcke zurück.<br />
Dieses Bangen und Hoffen zog sich noch kurz bis Mitternacht hin und wir hatten also seit unserer Heldentat vom frühen Abend gute fünf Stunden damit zugebracht, als bedröppelte Statisten in der längsten Warteschleife des Landes herzuhalten und die einheimischen Komparsen dafür zu bewundern, wie stoisch ruhig sie diese erneute Unanehmlichkeit hinnnahmen. Es war eigentlich unfassbar: Erst tut sich die Hölle vor den Schaltern auf und alle drängeln und schubsen wie die Verrückten und anschließend erstarrt das ganze Szenario in absoluter Ruhe und Tatenlosigkeit. Mein Gott, wenn wir uns erst wieder in Deutschland in irgendwelche nichtigen Schlangen stellen würden, dann täte unser dickes Fell dem Hintermann aber ganz schön in der Nase kratzen. Und dass unsere Geduld immer mehr trainiert wurde, war ja letztendlich nichts Schlechtes und so waren wir auch schon wieder recht vergnügt, als es dannn endlich möglich war, das Schiff zu besteigen.<br />
Die Fähre bot leider keinerlei Comfort und auch die wenigen Holzbänke, die der Innenraum zu bieten hatte, waren schnell vergeben. Wir ließen uns irgendwo zum Heck der Fähre treiben und beschlossen, uns einfach an Ort und Stelle auf den Boden zu setzen, weil wir wohl eh keinen besseren Platz finden würden. Kaum hatten wir uns eingerichtet, sprang der unglaublich ausdauernde Roberto auch schon wieder auf, um geheimen Tätigkeiten nachzugehen. Ich war mittlerweile so richtig müde und aufgebraucht, dass es mir auch egal war. Das Ausrollen meiner Isomatte und anschließende Drauffallenlassen war meine vorerst letzte erwähnenswerte körperliche Aktivität. Jetzt blieb mir genug Zeit, das Treiben um mich herum zu beobachten. Die Fähre füllte sich immer mehr und bald waren wir mehr als froh, dass es einen Verkaufsstopp gegeben hatte. Die Menschen tummelten sich dicht an dicht an jedem freien Platz und von diesem gab es bald keinen Zentimeter mehr. Die Leute legten sich wie ich einfach auf den Boden und machten es sich so gemtülich wie eben möglich. Der von Roberto schon erwähnte Hausstand spielte dabei keine unwesentliche Rolle und schon bald glich das Innendeck einer bunten Landschaft voller Klappstühle, Plüschkissen, Kühltruhen, Luftmatratzen und ausgebreiteter Decken. Sogar ein Sonnenschirm wurde weswegen auch immer aufgespannt. Eigentlich wirkte alles recht gemütlich und gesellig, wäre da nicht dieser schneidende Wind gewesen, der flott durch das offene Deck pfiff und der mich schnell dazu veranlasste, mich noch tiefer in meine T-Shirt Decke einzuwickeln.<br />
So verbrachten wir die Nacht auf dem nackten Stahlboden des Schiffes liegend, während es uns der schönen Insel Margarita näherbrachte und ich habe tatsächlich bis kurz vor unserer Ankunft durchgeschlafen. Nun wachte ich aber mit einem Hunger auf, der feiste Löcher in meinen Magen riss und der allzeit patente Roberto stellte uns auch gleich den besten Imbiss der ganzen Insel in Aussicht, den wir natürlich sofort aufsuchen würden, wenn wir erst mal einen Bus in Richtung Porlamar erwischt hätten. Da war er wieder! Der Schreck, der uns mittlerweile bei dem Ausdruck &#8222;Bus erwischen&#8220; erfasste und das kleine Hämmerchen, das bis jetzt hartnäckig meine Magengegend bearbeitet hatte, um auf den Hunger hinzuweisen, wurde durch einen handlichen aber beachtlichen Lehmhammer ersetzt, der es auf das Vortrefflichste verstand, meinem Schrecken das nötige innere Echo zu verleihen.<br />
Also hieß es wieder einmal: Rucksack schultern und gute Miene zum altbekannten Spiel machen. Mit dröhnenden Mägen stolperten wir also Roberto hinterher und hofften darauf, dass er diese neue Herausforderung meistern würde.</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/51/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/51/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/51/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=51&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Venezuela TEIL 18</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jun 2006 11:33:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admiral auf Reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Fahrstuhl schien an Seilen aus Kaugummi zu hängen. Ich hatte das Gefühl, irgendwo zwischen viertem Stock und der Unendlichkeit festzuhängen. Ungeduldig malträtierte ich den Knopf mit dem großen B (für la planta bacha=Erdgeschoss) unablässig mit der Faust und verstärkte die Fahrstuhlrandale zusätzlich mit gesalzenen Fußtritten. Murphys Fahrstuhlgesetz setzte das Gesetz der Schwerkraft mal wieder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=50&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fahrstuhl schien an Seilen aus Kaugummi zu hängen. Ich hatte das Gefühl, irgendwo zwischen viertem Stock und der Unendlichkeit festzuhängen. Ungeduldig malträtierte ich den Knopf mit dem großen B (für la planta bacha=Erdgeschoss) unablässig mit der Faust und verstärkte die Fahrstuhlrandale zusätzlich mit gesalzenen Fußtritten. Murphys Fahrstuhlgesetz setzte das Gesetz der Schwerkraft mal wieder außer Kraft und die Tatsache, dass auch ein Fahrstuhl, der an Kaugummiseilen hing, trotzdem irgendwann mal in die Tiefe zu sinken hatte, stand nirgendwo auf Murphys Tafeln vermerkt. <span id="more-50"></span>Überflüssigerweise hatte ich nun durch die fehlende Geschwindigkeit des Aufzuges genügend Zeit, mir meine unruhigen Gedanken in den schillernsten und quälensten Farben auszuschmücken. Eine Jennie, die auch nach der rüdesten Klopfattacke und der brachialsten Brüll-Tret Kombination nicht die Tür öffnete, hatte sich entweder dazu entschlossen, kein Bock mehr auf mich zu haben und sich durch das Fenster abgeseilt, um Venezuela alleine zu erkunden oder wurde von der achtarmigen Klammerkreatur aus Ghostbusters ans Bett gefesselt und war aus diesem Grund etwas unpässlich. Je länger ich im Aufzug ausharrte, desto wildere Kreaturen wurden in meiner Fantasie ersonnen und je länger ich auf den B-Knopf eindrosch, desto zerbeulter wurde er.</p>
<p>Aber der liebe Murphy hatte schließlich die Lust an seinem Gesetz verloren und so ließ er dann doch noch den Fahrstuhl ankommen, aber nicht ohne vor der sich öffnenden Fahrstuhltür zwei aufreizend bekleidete Damen zu platzieren, die ob meines ungebührlichen Betragens und der groben Behandlung, die ich dem, mittlerweile zu einem nur noch schwach leuchtenden Klumpen, zerhobelten Knopf angedeihen ließ, in missbilligendes Geraune verfielen und mich Wüterich ganz sicher von ihrer to-to Liste strichen. Das konnte mir eh recht sein und so beachtete ich die Fregatten kein Stück und stolperte ohne Umschweife gen Rezeption, um den dösenden Schaltermann für eventuelles Türaufbrechen oder weitreichendere Maßnahmen zu wappnen. Da ich mir meine Erklärungen schon vorher gut überlegt hatte, dauerte es auch nicht lange, bis er mir schlüsselklimpernd und demonstrativ in die Gegend gähnend folgte.<br />
Wir nahmen wieder den Aufzug, der dieses Mal in Lichtgeschwindigkeit in die Höhe schoss und standen wenig später vor unserer Zimmertür. Der Schaltermann übte sich in vornehmer Diskretion und klopfte noch einmal vergebens. Dann schloss er die Tür einfach auf und ich bereitete mich schon darauf vor, etwaigen Zimmerbesetzern beherzt entgegenzutreten oder betrübt der wehenden Gardine hinterherzustarren. Blitzartig durchzuckte mich der Wunsch nach Thorstens Taschenmesser, aber ein Blick in seine Richtung genügte mir, um festzustellen, dass er es sicher für alle Fälle selbst in der Tasche hatte. Die Tür schwang also auf und wir lugten gemeinsam hinein. Ich hatte mich auf alle Spielarten der Überraschung vorbereitet, aber bei dem Anblick, der sich mir nun bot, war ich doch sprachlos.<br />
Jennie lag, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Bett und schlief friedlich vor sich hin. Wir schauten uns an und schüttelten die Köpfe. Der Schaltermann machte ein eindeutig verdrießliches Gesicht und drehte sich wortlos auf dem Absatz um und verschwand verächtliche Blicke schleudernd im Fahrstuhl. Thorsten lachte kurz und ging pennen. Ich rüttelte dann an Jennies Schulter, um ihr mitzuteilen, dass ich nur ihrer Dornröschen-Tour wegen den Fahrstuhl demoliert, den Schaltermann aus seiner Bettlektüre hochgeschreckt und mir selbst mit Horrorvisionen zugesetzt hatte. Aber mehr als verschlafende und verständnislose Blicke waren nicht mehr zu erzielen und weil ich sie nicht noch unter Beirufung des örtlichen Spielmannszuges vernünftig aufwecken wollte, legte ich mich einfach daneben.</p>
<p>Am nächsten Tag war Heiligabend und Jennie und ich begingen diesen Tag der Besinnlichkeit einfach mal schön unkonventionell, indem wir als erstes den größten Flohmarkt der Stadt besuchten und uns danach einfach durch Caracas treiben ließen. Da wir eh nur einen gemeinsamen Tag in der Stadt hatten, beschlossen wir, uns gar nicht mit intensivem und unnötigem Besichtigungsterror aufzuhalten, sondern bummelten ein wenig und kehrten am späten Nachmittag in unser Hotel zurück, um den lieben Thorsten abzuholen und mit ihm ein angemessenes Lokal für den heiligen Schmaus ausfindig zu machen. Ein edles Feinschmeckerlokal kam eh nicht in Frage und da wir keine Lust hatten, lange durch die Straßen zu irren, griffen wir auf den bewährten Imbiss um die Ecke zurück. Da gab es eine gemütliche Neonbeleuchtung, lärmende Fernseher unter der Decke, die einem fortwährend verkündeten, wer diesen Tag wieder mal die Schönste im ganzen Land sei, lächerliche Mofaprolls, die sich gegenseitig die coolsten Zigaretten-in-den-Mund-werf-Tricks demonstrierten und eine gut sortierte Speisekarte, die vor allem monströse Hamburger, Empanadas, Arepas und sonstiges Fastfood im zumutbaren Preisrahmen bereit hielt. Also verbrachten wir unseren Heiligabend mal ganz abseits der gängigen Weihnachtsgans-Weihnachtsmusik-Weihnachtsbaum-Weihnachtsgeschenkauspack-Norm und schmausten uns durch die reichhaltigen Angebote und ließen dazu das leckere Polar fließen.</p>
<p>Wir gingen dann auch früh zu Bett, weil es den nächsten Tag wieder einmal sehr früh losgehen sollte. Unser tollkühner Plan sah es vor, am östlichen Busbahnhof eine Passage entweder nach Puerto de la Cruz oder Cumana zu ergattern, um von dort auf eine Fähre nach Margarita umzusteigen. Wir mischten uns also um sechs Uhr in der Frühe unter zahlreiche andere Reisende oder Pendler, die es ebenfalls zu dieser Zeit zum Ostbahnhof trieb. Thorsten und ich hatten im Vorwege schon mal auskundschaftet, wann ein Bus fahren könnte und an welchem Schalter man sich die Tickets zu kaufen hatte. Da wir dieses Mal so schlau gewesen waren, sämtliche Schritte mit einer perfekten Prophylaxe in den todsichersten Fahrplan aller Zeiten zu zementieren, liefen wir total überzeugt von unserem System im Bahnhof auf und ich bezog sogleich Stellung in der akzeptablen Schlange vor unserem Wunschschalter. Thorsten und ich diskutierten gerade in Abwesenheit Jennies, die die Rucksäcke hütete, über die körperlichen Attribute der Servicefrau am Schalter, als sich der Mann vor uns umdrehte und uns in fast lupenreinem Deutsch ansprach. Wir musterten den etwa 50jährigen neugierig und er stellte sich als Roberto vor. Er war Venezolaner und hatte in Deutschland studiert und danach lange Jahre bei Tui als Reiseführer gearbeitet. Er sprach wirklich augezeichnetes Deutsch und wirkte auf Anhieb ziemlich sympathisch. Er erzählte, dass er auch auf dem Weg nach Margarita sei, weil dort wohne und er sich gerne dazu bereit erklären würde, uns bei der Überfahrt zu helfen. Wir bedankten uns artig, versichterten ihm aber, dass wir keine Neulinge im Erwerb von Fahrkarten seien, wir uns aber auf jeden Fall über seine Gesellschaft freuen würden. So plauderten wir noch eine ganze Weile, bis mir irgendwann auffiel, mit welchem Tempo wir uns dem Schalter näherten. Die Durchschnittgeschwindigkeit hätte in jedem Matheheft eine hübsche Dezimalzahl abgegeben, leider mit einer Null vor dem Komma. Wir bewegten uns so atemberaubend gar nicht voran, dass man allmählich das Gefühl nicht los wurde, langsam rückwärts dem Ausgang entgegenzuwachsen. Mit einem kurzen Blick zum Schalter wurde uns der Grund für dieses Nichtvorankommen der Schlange eindrucksvoll präsentiert. Die Schalterfrau dachte nicht im geringsten daran, die wartenden Fahrgäste abzufertigen, sondern schwatzte lieber mit ihrer Kollegin im Schalter nebenan, der mittlerweile eine auch nicht zu unterschlagende Menschenmasse vor sich angehäuft hatte. Unter Zuhilfenahme einer Nagelpfeile, die ihr der Klischeegott persönlich vorbeigebracht haben musste, komplettierte sie das Bild der Aussichtslosigkeit. Die Menschen, die vor uns standen und ebenfalls nicht vorankamen, schienen aber nicht nervös zu werden.und gaben sogar zeitweilig vor, zu Statuen mutiert zu sein. Wir wurden natürlich prompt unruhig und sahen unseren unzerstörbaren Plan sich schon gleich am Anfang der Strecke zu bitterem Staub perforieren. Roberto sah unsere Gesichtszüge entgleisen und machte sich lachend auf die Pirsch, um die wahren Gründe für diesen Aufschub in Erfahrung zu bringen. Wenig später kam er mit der Nachricht zurück, dass die Busgesellschaft noch keine Tickets verkaufen konnte, weil der Bus nach Puerto de la Cruz noch nicht bereit stand und momentan wisse auch keiner, wann und wie die Fahrt vonstatten gehen sollte. Uns blieb also nichts anderes übrig, als in bester Busbahnhoftradition den Staub der Jahrhunderte anzusetzen und darauf zu warten und zu hoffen, dass sich der säumige Bus möglichst zügig an seiner Parkposition einfand.<br />
Roberto hatte in der Zeit weiter lustig vor sich hin gequasselt und machte uns dann so ganz nebenbei ein recht großzügiges Angebot: Er lud uns kurzerhand ein, vorerst bei ihm in seiner Wohnung auf Margarita, die er inbrünstig als Fünf-Sterne Hotel anpries, unterzukommen. Wir waren natürlich überrascht über dieses unvermutete und freizügige Angebot und nahmen diese Einladung nach sehr kurzer Bedenkpause auch an, nicht zuletzt weil unsere Reisekasse uns flehentlich zuschrie, nicht wieder Geld für unnötig teure Unterkünfte wegzuschleudern und ihr doch lieber eine wohlverdiente Reha in Robertos Palast zu gönnen.<br />
Er freute sich, uns als Gäste empfangen zu können und machte sich sogleich mit frisch aufgetanktem Enthusiasmus erneut auf Erkundungsgang nach den Tickets.<br />
Gegen Mittag, nachdem wir uns an die sechs Stunden in der festbetonierten Schlange die Beine verkürzt hatten, kam dann endlich Bewegung am Schalter auf und Roberto verkündete stolz, dass der Bus, auf den alle gewartet hatten, endlich bereit stand und er es vorsah, der Einfachheit halber unsere Fahrscheine mitzukaufen und wir ihm dafür das Geld geben sollten. Da ich wie stets der gewissenhafte Schatzmeister war, klebte das Geld zwar kurz an meinen Fingern, aber Roberto schien wirklich eine ehrliche Haut zu sein und so ließen wir uns endgültig mit ihm ein&#8230;..</p>
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		<pubDate>Sat, 24 Jun 2006 18:07:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabufab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dies und das]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230;wie geil spielt Deutschland oder vielmehr Klose? Ich bin begeistert und fr&#246;hne weiter dem draus resultierenden Aufnessschwall. Prost!!!<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=49&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;wie geil spielt Deutschland oder vielmehr Klose?</p>
<p>Ich bin begeistert und fr&ouml;hne weiter dem draus resultierenden Aufnessschwall.</p>
<p>Prost!!!</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/fabufab.wordpress.com/49/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/fabufab.wordpress.com/49/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/fabufab.wordpress.com/49/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/fabufab.wordpress.com/49/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=fabufab.wordpress.com&amp;blog=203230&amp;post=49&amp;subd=fabufab&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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